Mein Name tut nichts zur Sache, denn ich bin ein Niemand. Ein Niemand deswegen, weil ich keinen Beruf habe. Und das ist es, wonach die Entscheidung faellt: Niemand oder Jemand. Nicht, das ich ein Faulsack waere, nein… ich erlerne nur erst einen Beruf. Falls die Kraefte bis zum Ende der Ausbildung reichen. Es gibt viele Dinge die mich aufregen in der Welt, sinnlose Kriege, Streit des streitens wegen, Boesartigkeit, Liebe. Von allen am meisten die Liebe. Andere haetten hier “Frauen” benutzt anstatt “Liebe”, nur kann ich versichern das Maenner mindestens genau so schlimm sind wenn es um Liebe geht, nur vielleicht auf andere Weise.
An der Sache mit den sinnlosen Kriegen laesst sich nicht viel aendern. an kann darueber herziehen, seine Meinung bekunden, oder in eine Stille Epilepsie darueber verfallen. Hoechst wahrscheinlich, das man als Weltverbesserer belaechelt wird. Dasselbe gilt zwar fuer das Streiten und die Boesartigkeit, und trotzdem hat man hier immens viele Ansatzmoeglichkeiten.
Nur die Liebe, die macht einen blind, taub, stumm, ohnmaechtig.
Warum ich dies schreibe? Ich weiss es nicht. Gestern war eine Party, Schulabschlussfeier meiner alten Schule. Alle alten Freunde da, viele die dich noch kennen, dir aber ihren Namen erst wieder ins Gedaechtnis rufen muessen. Der Schulleiter sagt du sollst doch mal bei ihm vorbeikommen, es gaebe so viel zu bereden. Die Lehrer freuen sich alle. Spaeter am Abend werden sie noch Bauchtanzen muessen. Das Maedchen um das du dich an dem Abend hattest bemuehen wollen, das dir in der Tat schon laenger die Augenmuskulatur beschaeftigt, ist auch da. Nur, interessieren tut sie sich nicht wirklich fuer dich. Dafuer aber die Kleine, suesse da. Klein passt in diesem Fall, denn entweder bin ich zu gross, oder sie ist zu klein. Wie auch immer, der Unterschied betraegt bestimmt geschlagene vierzig Zentimeter. Wenn mann und frau am Tisch sitzen faellt’s aber gar nicht auf, und so glimmen energiegeladene Blicke durch die Musikerfuellte Luft. Bald ist klar, hier finden zwei etwas aneinander, man unterhaelt sich, gesittet fuers erste, bald die Wangen zaertlich aneinander gedrueckt, vermeintlich um besser verstehen zu koennen. Nur der Kuss fehlt noch. Kuesse fordern Mut. Mut erfordert Entschlossenheit. Entschlossenheit fordert zur Ruhe gekommene, eine Richtung oder keine weisende Gedanken. Nicht den Wulst an wirrem Zeug, den ein von Philosophie und Esoterik verdorbener Juengling in seinem Kopf spazieren traegt. Und junge Maedchen, so feurig sie auch sein moegen, erwarten eben nun einmal Mut von einem vielversprechend aussehenden Juengling.
Das ganze geht noch eine Weile, inklusive liebkosen der Hand des andern, versteckten, schuechternen Beruehrungen der peripheren Gliedmassen untertisches sowie einigen heissen Tanzeinlagen, die sich aufgrund des erwaehnten Groessenunterschieden ausgesprochen interessant geben. Aber dann “packt” sie es, Kuesschen links und Kuesschen rechts. Das war’s.
Denkste. War’s noch lange nicht. Solche Prozesse beinhalten ueblicherweise (leider?) auch den Austausch gewisser Stoffe, Feromone genannt. Und die spielen dem armen verwirrten Hirn das nun in solch einem Liebesluesternen Koerper sitzt ueble Streiche. Mag sich das in der ersten Nacht nach solch einem Ereignis nun noch mittels diverser moralisch mehr (sagen die einen) oder weniger (sagen die anderen) bedenklicher Hilfsmittel eindaemmen, so bleiben irgendwann nur noch nackte, wiederum von allerlei rationell-logisch-philosophischen Ueberlegungen durchsetzte Gedanken. Und die quaelen. Schrecklich Qualen. Das geht mitunter so weit, das auch alle anderen Lebensaspekte des betroffenen Individuums darunter zu leiden haben: Die Muskulatur entschliesst sich zu Verspannungen, ein ohnehin schon revolutionsgeiler Charakter blueht auf und sackt in sich zusammen, in Abstaenden die so unregelmaessig-regelmaessig sind, das schon eine hoehere Gewalt dahinterstecken muss. Schrecklich.
Da sollte man doch wirklich Moench werden.
…oder den ganzen Scheiss ueber Bord werfen, und eine Revolution in’s Leben rufen. Eine Liebesrevolution.